Was erbt der Ehegatte?

„Alles!“, wenn man einer weit verbreiteten Meinung Glauben schenken möchte. Diese Annahme trifft in vielen Fällen allerdings nicht zu. Vor allem dann nicht, wenn keine entsprechende Verfügung von Todes wegen, etwa ein Testament, existiert. Richtig ist die Annahme nur dann, wenn der verstorbene Ehegatte keine Abkömmlinge hatte und seine Eltern und Großeltern allesamt bereits vorverstorben sind.

In allen anderen Fällen der gesetzlichen Erbfolge wird ein Ehegatte lediglich Miterbe, neben ihm gelangen auch noch andere Personen zur Erbfolge.

Die Beantwortung der Frage, wie viel vom Nachlass diese weiteren Personen erhalten, richtet sich insbesondere auch nach dem Güterstand, in dem die Eheleute lebten. Der sogenannte gesetzliche Güterstand, die Zugewinngemeinschaft, ist immer dann anzutreffen, wenn keine formgültigen anderslautenden Regelungen, etwa durch notariellen Ehevertrag, betreffend den Güterstand getroffen wurden. Sofern Abweichungen vom gesetzlichen Güterstand vorgenommen werden, hat man unter anderem die Wahl zwischen Gütergemeinschaft und Gütertrennung.

 

Je nach Güterstand gestaltet sich die Erbquote des überlebenden Ehegatten wie folgt:

Erbquote des Ehegatten

Neben Erben der I. Ordnung

Neben Erben der II. Ordnung

Neben sonstigen Personen *

 

1 Kind ; 2 Kinder ; > 2

   

Zugewinngemeinschaft

1 / 2 ; 1 / 2 ; 1 / 2

3 / 4

1 / 1

Gütertrennung

1 / 2 ; 1 / 3 ; 1 / 4

1 / 2

1 / 1

Gütergemeinschaft

1 / 4 ; 1 / 4 ; 1 / 4

1 / 2

1 / 1

       

* sofern die Großeltern des Erblassers bereits verstorben sind

     

Erben der I. Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers. Erben der II. Ordnung die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Geschwister des Erblassers. Erben der III. Ordnung sind die Großeltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge. Erst in dem Moment, in dem die Großeltern des Erblassers vorverstorben sind und keine Erben der I. oder II. Ordnung existieren, erbt der überlebende Ehegatte, unabhängig vom Güterstand, alleine.

Aus der Übersicht ergibt sich weiterhin, dass der Güterstand der Gütergemeinschaft in erbrechtlicher Sicht im Vergleich zu den anderen Güterständen nachteilig ist. Eheleute, die im Güterstand der Gütergemeinschaft leben, sollten den Wechsel des Güterstandes ernsthaft in Betracht ziehen. Dies ist durch notarielle Vereinbarung unproblematisch möglich. Sinnvoll ist jedoch in jedem Fall, sich durch einen Fachanwalt für Familienrecht beraten zu lassen.

Der Güterstand wirkt sich auch auf möglicherweise bestehende Pflichtteilsansprüche aus. In dem Moment, in dem ein Pflichtteilsberechtigter enterbt wird, hat er grundsätzlich einen Pflichtteilsanspruch. Zum Kreis der Pflichtteilsberechtigten zählen neben dem Ehegatten beziehungsweise seinem Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz die Abkömmlinge sowie die Eltern des Erblassers. Insbesondere Geschwister des Erblassers und deren Abkömmlinge haben keine Pflichtteilsberechtigung. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Die Pflichtteilsquote eines Abkömmlings im Falle des Güterstandes der Gütergemeinschaft fällt demnach höher aus als etwa bei der Zugewinngemeinschaft. Auch dies sollte ein Grund sein, zu überprüfen, ob eine Änderung des Güterstandes angezeigt ist.

Der Ehegatte erbt demnach im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge nicht automatisch „alles“. Sofern Ehegatten jedoch genau dies wünschen, sollte zu Lebzeiten Vorsorge getroffen werden. Jeder Ehegatte kann für sich allein oder gemeinsam mit seiner „besseren Hälfte“ entscheiden, ob ein Testament zu errichten ist, um die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu realisieren. Häufig ist die Motivation anzutreffen, den Überlebenden Ehegatten im Falle des Todes abzusichern. Dieses Ziel kann etwa dadurch erreicht werden, dass ein entsprechendes Ehegattentestament aufgesetzt wird. Gegebenenfalls kann ein solches Testament beinhalten, dass sich die Eheleute wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und die Abkömmlinge erst nach dem Tode des Letztversterbenden erben sollen. In jedem Einzelfall sollte überprüft werden, welche konkrete Regelung auf den konkreten Fall passt. Patentlösungen gibt es selten.

Sollten Sie mit Ihrem Partner in „wilder Ehe“ zusammen leben, empfiehlt sich eine eingehende Beratung umso mehr, als dass ein Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft kein gesetzlicher Erbe des verstorbenen Partners ist. Ohne entsprechende Regelung erbt ein Lebensgefährte beim Tode seines Partners nichts.

Sie sehen, es gibt viele Punkte bei einer sinnvollen Vorsorgeplanung zu bedenken. Für Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.